Ingenieurmäßige Gesamtbeurteilung und Objektbezogene Schadensanalyse

Bauwerkstyp
Spannbetonbrücke
Baujahr
1974-1977
Lage
Bad Schandau, Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Sachsen

Elbebrücke Bad Schandau

Ingenieurmäßige Gesamtbeurteilung und Objektbezogene Schadensanalyse

  • Fakten
  • Essay

Bauwerk:

Bauwerkstyp:
Spannbetonbrücke
Baujahr:
1974-1977
Lage:
Bad Schandau, Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Sachsen
Abmessungen:

Gesamtlänge 263 m, Stromöffnung 100 m

Tätigkeiten:

  • Objektbezogene Schadensanalyse zur Aufklärung von Schadensbildern und Schadensursachen nach Vollsperrung
  • Bauwerksdiagnostische Untersuchungen in zwei Stufen zur Bewertung der Beton-, Spannstahl- und Spanngliedeigenschaften
  • Erstellung eines Messkonzepts und Umsetzung eines entsprechenden Bauwerksmonitorings zur Erfassung von Spanndrahtbrüchen, Neigungen, Dehnungen und Umgebungsbedingungen
  • Planung, Vorbereitung, Durchführung und Auswertung eines Belastungsversuchs zur Tragsicherheitsbewertung und Systemidentifikation (Nachrechnung nach Nachrechnungsrichtlinie Stufe 3)
  • Rechnerische Bewertung der Standsicherheit und Nachrechnung nach Nachrechnungsrichtlinie Stufe 1 und 2
  • Erstellung einer bauwerksspezifischen Prüfanweisung

Leistungszeitraum:

11.2024 bis 02.2026

Unter dem Eindruck des Einsturzes der Carolabrücke in Dresden wurde u.a. die Elbebrücke Bad Schandau im Herbst 2024 einer Sonderprüfung unterzogen. Das Bauwerk ist aufgrund des verwendeten Spannstahls spannungsrisskorrosionsgefährdet. Infolge der Sonderprüfung ist auf Basis von dokumentierten Längs- und Querrissen am Unterspannband der Brücke am 06.11.2024 die Vollsperrung der B172 und Elbe erfolgt. Durch den Auftraggeber wurde eine Objektbezogene Schadensanalyse angeordnet. Zugunsten möglichst schneller Erkenntnisfortschritte und damit verbundener Entscheidungen wurde ein methodisches, stufenweises Vorgehen aus rechnerischen, diagnostischen und messtechnischen Untersuchungen konzipiert.

In einer ersten Stufe erfolgten zeitparallel die rechnerische Bewertung der Standsicherheit unter Eigengewicht und orientierende diagnostische Untersuchungen am Unterspannband, um insbesondere den Spannstahlzustand zu beurteilen. Zeitparallel wurde ein initiales Geomonitoring eingerichtet. Auf Grundlage der Erkenntnisse der ersten Untersuchungsstufe konnte im Januar 2025 die Freigabe der Elbe erfolgen.

In der zweiten Stufe folgte eine weiterführende Diagnostik zur Konkretisierung der Schadensursachen und Validierung der ersten Erkenntnisse an bis dato nicht untersuchten Bauwerksbereichen. Darüber hinaus wurden auf Basis eines bauwerksspezifischen Messkonzepts ein Schallemissions- und Verformungsmonitoring installiert und in Betrieb genommen. Erste Ergebnisse der Nachrechnung nach Nachrechnungsrichtlinie in Stufe 1 und 2 wiesen auf einen rechnerisch unauffälligen Bauwerkszustand hin.

Aufgrund lokal festgestellter Schäden aus Spannungsrisskorrosion und fehlender Informationen zum Anteil bereits in der Vergangenheit geschädigter Spannstähle war eine Verkehrsfreigabe auf Grundlage der Nachrechnung allein nicht ausreichend. Aufbauend auf die bis dato gewonnenen Erkenntnisse wurde daher ein Belastungsversuch geplant und umgesetzt, der einerseits der Tragsicherheitsbewertung für einen objektspezifischen kompensierten Verkehr und andererseits der Systemidentifikation sowie Kalibrierung des Monitorings diente. Der Versuch konnte erfolgreich und ohne Auffälligkeiten durchgeführt werden, so dass im April 2025 die Freigabe der B172 für kompensierten Verkehr erfolgte.

Durch den weiteren Erkenntnisfortschritt aus Nachrechnung und Monitoring konnte im November 2025 auch diese Kompensation angepasst werden, so dass aktuell Fahrzeuge bis 30 t das Bauwerk nutzen können.