Forschungsprojekt "DDR Spannbetonbrücken "
Christina Fritsch Artikel veröffentlicht: 19.02.2025
Erkundung von Bestandspotenzialen für die Erhaltungsplanung typischer DDR-Spannbetonbrücken
Gegenwärtig wird ein Großteil der bestehenden Spannbetonbrücken der 1960er-und 1970er-Jahre sukzessive zurückgebaut und durch Neubauten ersetzt. Grundlagen dafür bilden in der Regel rechnerische Untersuchungen und rein visuelle Begutachtungen. Realitätsnahe Bestands- und Zustandsinformationen aus dem Bauwerksinneren werden nur in wenigen Fällen erhoben, so dass Materialpotenziale unberücksichtigt bleiben.
Anlass
Gegenwärtig wird ein Großteil der bestehenden Spannbetonbrücken der 1960er-und 1970er-Jahre sukzessive zurückgebaut und durch Neubauten ersetzt. Grundlagen dafür bilden in der Regel rechnerische Untersuchungen und rein visuelle Begutachtungen. Realitätsnahe Bestands- und Zustandsinformationen aus dem Bauwerksinneren werden nur in wenigen Fällen erhoben, so dass Materialpotenziale unberücksichtigt bleiben.
In Anbetracht der Klima- und Ressourcenkrise muss eine möglichst lange sichere Nutzung unserer Bestandsbrücken das Ziel sein. Besonders gute Chancen für den Bestandserhalt bilden Typenbauweisen, wie sie lange Zeit in der DDR umgesetzt wurden, da sich systematische Vorgehensweisen und Lösungsansätze vergleichsweise gut auf eine Vielzahl von Bauwerken übertragen lassen.
Projektziel
Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs für die Bewertung der Zukunftsfähigkeit und den bestandsgerechten Umgang mit typischen DDR-Spannbetonbrücken als Grundlage für die Erhaltungsplanung.
Durchführung
Grundlagen für die Entwicklung von Erhaltungsmaßnahmen bildet einerseits eine Systematisierung der bisher durchgeführten Untersuchungen an typisierten DDR-Spannbetonbrücken und andererseits die bauwerksdiagnostische Erfassung von Material- und Zustandskennwerten an drei repräsentativen Bauwerken. Die Bauwerksdiagnostik erfolgt dabei rückbaubegleitend, wodurch Untersuchungsumfänge und Probeentnahmen realisierbar sind, die im Betrieb nie möglich wären. Neben Vor-Ort-Untersuchungen sind dabei auch Laboruntersuchungen an Bauwerksteilen vorgesehen.
Das im Projekt aufzustellende Konzept zur Bewertung der Zukunftsfähigkeit wird an diesen drei Bauwerken validiert. Die Bewertung erfolgt dabei anhand von gewichteten Einzelkriterien, welche die Bauwerksbedeutung, Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit beschreiben. Für Bauwerke, deren Zukunftsfähigkeit anhand des Bauwerkzustandes nicht unmittelbar bestätigt werden kann, werden messtechnische sowie bauliche Kompensationsmaßnahmen sowie die Wieder- und Weiterverwendung einzelner Bauwerksteile untersucht. Anhand der gesammelten Erkenntnisse erfolgt die Aufstellung des Maßnahmekatalogs zur Bewertung und Erhaltung der DDR-Spannbetonbrücken.
Erwartete Ergebnisse
In der Projektphase I konnten durch eine systematische Literaturrecherche die Grundlagen für die Aufstellung des Bewertungskonzepts geschaffen werden. Anhand der identifizierten typischen Defizite erfolgte die Untersuchungsplanung und -durchführung am ersten der drei Bauwerke. Dabei konnte einerseits bestätigt werden, dass die Festbetoneigenschaften deutlich oberhalb der angenommenen Materialkennwerte liegen, was sich signifikant auf die durchgeführten rechnerischen Untersuchungen auswirkt. Andererseits konnte eine Spannstahlschädigung infolge wasserstoffinduzierter Spannungsrisskorrosion festgestellt werden. In Projektphase II werden künftig die weiteren beiden Bauwerke untersucht und auf Basis dessen das Bewertungskonzept validiert.
Projektpartner
Für das Projekt haben sich folgende Partner aus Wissenschaft und Praxis zusammengeschlossen:
- MKP GmbH – Expertenwissen in historischen Bauweisen, Konstruktion Spannbeton, Alterung und Korrosion von Baustoffen, Bauwerkserhaltung
- TU Dresden, Institut für Massivbau, Otto-Mohr-Laboratorium – Expertenwissen in Erkundung von Bauwerks- und Baustoffeigenschaften im Bestand
Weitere Informationen zum Projekt
Projektzeitraum: 01.07.2024 bis 31.01.2025 (Projektphase I)
Ansprechpartner: MKP GmbH, Christina Fritsch
Projektkoordinator: MKP GmbH
Über Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Ost
Die Autobahn GmbH des Bundes – Niederlassung Ost ist für Planung, Bau, Erhaltung und Betrieb der Autobahnen in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig und sorgt für einen sicheren sowie leistungsfähigen Verkehrsfluss in der Region.